Ich werde oft gefragt, wie ich finanziell über die Runden komme. Die Antwort ist unspektakulär, aber essenziell: Ich budgetiere. In einer Welt, in der die Lebenshaltungskosten steigen und Honorare stagnieren, ist die bewusste Steuerung von Einnahmen und Ausgaben kein Luxus, sondern eine Überlebensstrategie.
Die Basis: Transparenz schaffen
Jedes Jahr erstelle ich eine detaillierte Liste aller Einnahmen und Ausgaben. Das ist das Fundament. Dabei unterscheide ich strikt zwischen dem Aufbau von Vermögen und dessen Abbau:
- Vermögensaufbau: Erfordert einen festen Budgetposten für das Sparen.
- Vermögensabbau: In Zeiten wie diesen müssen Ersparnisse angegriffen werden, um den Betrieb und das Leben aufrechterhalten zu können.
Das Risiko der Verschuldung
Kredite sind ein zweischneidiges Schwert. Sie können investiert werden, um die Einnahmenseite langfristig zu verbessern. Doch sie belasten zukünftige Budgets durch Zinsen und Rückzahlungen. Grundsätzlich ist die Strategie, Kosten zu minimieren, sicherer – doch sie hat eine natürliche Grenze. Wenn nichts mehr gestrichen werden kann, wird die Arbeitsfähigkeit gefährdet. Zudem ist es entwürdigend, in einer reichen Gesellschaft arm zu sein.
Meine Methode: Zero-Base-Budgeting
Ich plane zwar auf Basis des Vorjahres, nutze aber das Prinzip des Zero-Base-Budgeting. Ich starte gedanklich bei Null und frage mich konsequent: Was brauche ich wirklich?
- Grundbedürfnisse: Wohnen, Essen, Mobilität.
- Die Qualitätsfrage: Man kann überall ein Minimum ansetzen. Doch was ist das Leben wert, wenn es nur noch aus „Suppe, Brot und einer kleinen Kammer“ besteht?
- Berufliche Notwendigkeiten: Als Liedermacher und Journalist sind Investitionen in Programme, Geräte, die Vernotung von Liedern und das Sammeln von Erfahrungen (Reisen/Recherche) essenziell.
Der kritische Punkt: Mein grösster Budgetposten sind die Domaingebühren meiner digitalen Arbeit. Wollte ich hier radikal kürzen, würde mein gesamtes Werk wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.
Das Minimum vs. das Wunschkonzert
Ich skizziere mein Budget stets in zwei Varianten:
- Das Minimum: Was ich mir leisten muss, um funktionsfähig zu bleiben.
- Das Wunschkonzert: Was nötig wäre, um mich künstlerisch weiterzuentwickeln – öfter essen gehen, gute Hotels auf Reisen oder die Beschäftigung von Mitarbeitenden.
Zusätzlich belasten aktuelle Gesundheitsprobleme das Budget; auch das verschlingt finanzielle Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen.
In der Schweiz benötige ich für meine Aktivitäten ca. CHF 40’000,- pro Jahr, ohne dabei sparen zu können. Die Realität zeigt jedoch, dass meine Honorare nicht genügen. Für viele Menschen sind die Löhne schlicht zu tief; sie sind in den letzten 30 Jahren kaum gestiegen, während Mieten und Krankenkassenbeiträge explodieren.
Die aktuelle Schieflage
Momentan sinken die Einnahmen aus selbstständiger Arbeit, während die Lebenshaltungskosten steigen. Meinen Reisejournalismus und die hohen Fixkosten der digitalen Infrastruktur kann ich derzeit nur durch das Aufzehren von Ersparnissen finanzieren.
In Zukunft wird es womöglich die Unterstützung von Stiftungen brauchen. Mit meinem Verein GfIE habe ich hierfür bereits die organisatorischen Grundlagen geschaffen. Klar ist: Wenn überall nur noch gespart wird, wird es immer schwieriger, bleibende Werte zu schaffen.
Geld und Gerechtigkeit
Geld wird in unserer Gesellschaft oft als Belohnung für Arbeit gesehen. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild: Viele leisten verdienstvolle Arbeit und verdienen fast nichts, während andere für fragwürdiges Handeln oder gar Verbrechen gegen die Menschlichkeit belohnt werden.
Diese Diskrepanz zwischen Leistung, Zins und Ertrag ist systemisch. Weiterführende Gedanken zu dieser Thematik findest du in meinem Beitrag über das Zinssystem
Wenn es dann heisst, ich hätte Glück in einer reichen Gesellschaft zu leben, so sollte vielmehr getan werden, die Armut abzuschaffen. Gerade in der Schweiz wird trotz Demokratie die Ungerechtigkeit zementiert.
Neider gibt es immer
Ich glaube meine Möglichkeiten optimal auszuschöpfen. Vor allem leiste ich mir viel Freiheit meine Wünsche zu realisieren. Die Fantasie hilft sehr gut weiter. So bin ich auf vielen Aktionärsversammlung, publiziere meine Kunst und habe gute Gespräche.
Wenn ich unterwegs bin, so nehme ich gerne etwas zum Essen mit und verzichte auf den Besuch von Restaurants und Cafés in der Schweiz. Das ist bedauerlich. Bei Auktionen und Flohmärkten kaufe ich günstig Swatch Uhren, die ich verschenke. Ein glückliches Strahlen zählt zu den schönsten Dingen im Leben.

