Anerkennung ist wichtig. Sie gibt Schwung für neue Vorträge, verbessert die Stimmung und irgendwann die finanzielle Situation. Es ist zu akzeptieren, dass Kollegen meine Lieder nicht hören wollen, es verstimmt. Denn die Lieder sind ein wenig den Alltag zu besprechen. Das sehen viele nicht ein, sie nörgeln über mangelnde Gesangskünste, ich sollte mal Unterricht nehmen und alle Lieder klingen gleich. Kritik ist das nicht, sondern Ablehnung, das Gegenteil von Anerkennung.
Ich suche die Anerkennung, die finde ich nur ausserhalb. Ich spiele dort, wo die Leute Zeit haben. Dort, wo sie nicht im Konsumrausch vorbei hetzen. Oder zuhause bei Menschen, die meine Musik schätzen. Wenn ich im Zug spiele, verbreite ich meistens Freude, von einigen Nörglern abgesehen.
Die aktuellsten Anerkennungen waren ein Puzzleteil von einem Kind, ein Tausch von einem Schokofranken in eine Frankenmünze, ein Geldschein mit Schmetterlingen oder Kuvert als Dankeschön, dass ich erst auf der Heimfahrt öffnen sollte.
Es sind vor allem, die Bemerkungen, die mich aufstellen:
- Mir hat noch niemand ein Lied gespielt
- Darf ich das Lied wirklich behalten?
- Ich finde wichtig, was Sie machen
- Im Zug ist es sonst so langweilig
- You made my day!
Die freudigen Rückmeldungen überwiegen deutlich. Kleine Rückschläge sind hinzunehmen. Seit kurzen hinterlasse ich gerne Souvenirs. Mein Lied dazu:
zurfluh.de/irgendwem

Ich habe die Präsentation von Kurt Roelli erlebt – ein feinfühliger Mensch, der seinen eigenen Weg gegangen ist. Über 1100 Lieder hat er geschrieben; in der Anzahl kann ich ihn inzwischen übertreffen. Roelli trat häufig auf und gewann eine treue Fangemeinde. Heute sind seine Lieder nur noch wenigen bekannt – im Nationalarchiv in Lugano dürften sie erhalten sein.

Ich wurde beim Anlass gefragt, warum ich keine Lieder von Hans Roelli im Repertoire habe. Es gibt eine Stiftung, dort sind wenig Lieder zu finden. Und leider ist es halt immer ein Problem mit dem Urheberrecht. Dennoch werden Lieder von Hans Roelli mein Repertoire bereichern.
Mir ist es ein Anliegen, dass mein eigener Liederschatz bewahrt wird. Ich zeige mich oft und gerne – nicht als Star, sondern als Stimme im Dialog. Erfolg im Kleinen – das sind für mich die vielen guten Gespräche, die meine Musik auslöst.

